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Rosemarie Koczÿ

Rosemarie Koczÿ

Rosemarie Koczÿ

Rosemarie Koczÿ

Rosemarie Koczÿ

 

27. August – 19. November 2017

 

Vom 27. August bis zum 19. November 2017 zeigt die Kunsthalle Recklinghausen mehr als 100 Werke der aus Recklinghausen stammenden Künstlerin Rosemarie Inge Koczÿ. Im Zentrum der Ausstellung stehen Tuschzeichnungen aus dem Zyklus „Ich webe Euch ein Leichentuch“, mit dem die Künstlerin an die Opfer der Shoah erinnert; darüber hinaus Gemälde und Skulpturen, die allesamt als großzügige Schenkung aus dem Vermächtnis der Künstlerin in die Sammlung der Kunsthalle Recklinghausen gelangten.

 

Rosemarie Koczÿ wird am 5. März 1939 in Recklinghausen geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbringt sie bei ihren Großeltern in Recklinghausen-Hochlarmark und in einem katholischen Waisenhaus nahe Münster. 1959 geht sie in die Schweiz und bewirbt sich zwei Jahre später erfolgreich an der École des Arts Décorafis in Genf. Nach Abschluss ihres Studiums entwirft sie vor allem Tapisserien und es entstehen mehr als siebzig, teilweise großformatige Wandbehänge, zunächst klassisch flach gewebt, später materialhaft aufgeworfen und plastisch gestaltet. 1972 lernt sie Peggy Guggenheim kennen, die eine Tapisserie für ihren Venezianischen Palazzo Venier dei Leoni, die heutige Peggy Guggenheim Collection, in Auftrag gibt, sie vor allem aber mit ihrem späteren Mentor Thomas Messer, dem Direktor des Solomon R. Guggenheim Museums in New York, bekannt macht. Beide ermutigen Rosemarie Koczÿ, nach New York zu ziehen, um im damaligen „Hotspot“ der Kunstszene ihre Arbeit weiterzuentwickeln.

 

Anfang der 1970 Jahre rücken zunächst Krisenherde und Kriegsgebiete der Welt und schließlich der Holocaust ins Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Bis zu ihrem Tod entstehen mehr als 12.000 Tuschzeichnungen, mit denen die Künstlerin der Opfer der Shoah gedenkt und die sie rückseitig stets mit demselben Text versieht: „Ich webe Euch ein Leichentuch.“ So zollt sie den Toten Respekt: „Das Leichentuch ist das Strichgewebe, das jede meiner Gestalten umgibt, um sie in Würde zu beerdigen.“ Der gestischen Intensität vieler Zeichnungen stehen Blätter von einer geradezu immateriellen Flüchtigkeit und Transparenz der Linie gegenüber: Ein „seidener Faden“, an dem das Leben hängt und doch stark genug, Hoffnung zu geben.

 

1984 heiratet sie in zweiter Ehe den amerikanischen Komponisten Louis Pelosi, den sie als Stipendiatin der MacDowell Künstlerkolonie kennenlernt und zieht mit ihm im selben Jahr nach Croton-on-Hudson nahe New York. Hier laden beide regelmäßig zu Kunst- und Musikveranstaltungen ein, fördern vor allem aber junge Künstlerinnen und Künstler. Als Rosemarie Koczÿ im Dezember 2007 stirbt, hinterlässt sie ein ebenso umfangreiches wie eindringliches Œuvre, das überzeugend die Möglichkeiten der bildenden Kunst im „Angesicht der Shoah“ begreifen lässt.

 

Koczÿs Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, der Schweiz, den USA, Japan und Israel gezeigt. Sie sind u. a. in der Sammlung des Solomon R. Guggenheim Museums, New York vertreten, in der Peggy Guggenheim Collection, Venedig oder in der Collection de l’Art Brut, Lausanne. Aber auch die Gedenkstätten Buchenwald und Yad Vashem, Jerusalem besitzen Arbeiten der Künstlerin.

 

Im Zuge der Ausstellung sollte Rosemarie Koczÿ in das Online-Gedenkbuch aufgenommen werden, das die Stadt Recklinghausen zum Andenken an die Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus führt. Da sich in den entsprechenden Listen und Registern keine Einträge über die Familien von Rosemaries Eltern Karl Koczÿ und Martha Wüsthoff fanden, begannen umfangreiche Recherchen, an denen neben der Kunsthalle Recklinghausen auch Dr. Matthias Kordes, Leiter des Stadt- und Vestischen Archivs, und Georg Möllers, Erster Beigeordneter der Stadt Recklinghausen und als Historiker verantwortlich für das Online-Gedenkbuch, beteiligt waren.

Die Ergebnisse der Recherche sind nun nachzulesen in einer 80 Seiten umfassenden Publikation. Diese ist ab sofort in der Kunsthalle Recklinghausen und im Stadtarchiv zum Preis von 3,- Euro erhältlich.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Ausstellungsflyer (PDF)

 

Literatur:

Marion M. Callis, Rosemarie Koczÿ, Art As Witness, L’Art Comme Témoignage, QCC Art Gallery, The City University of New York, Bayside, New York 2013

Rosemarie Koczÿ, I Weave You a Shroud, Hrsg.: QCC Art Gallery Press, The City University of New York, Bayside, New York 2009